Nach vielen Jahren des daran-vorbei-fahrens und hinaufschauens entschlossen sich Daniel Natter alias Schnatte und meine Wenigkeit, endlich diesen weißen Flecken auf unserer Landkarte zu tilgen und einen Aufstieg auf die Mittagsfluh (Liggstein) von der Auer Seite zu wagen. In Führerliteratur und bei Internetrecherchen waren keine Beschreibungen zu finden - um so besser, ein gewisses Ausmaß an Abenteuer war schon mal garantiert.
Über der Tankstelle stiegen wir durch den Wald auf und erreichten problemlos den Beginn der oberen Rampe. Was von unten nach grasigem Fels aussah, war dann doch recht ernste Kletterei und wir seilten uns an. Die Kletterei ist dort recht nett, wenn auch teilweise ziemlich brüchig und grasig. Immerhin finden sich immer wieder Sanduhren und gelegentlich auch der eine oder andere Baum, sodass sich die Platten einigermaßen absichern lassen. Den ersten leichten Aufschwung wollten wir dann durch einen Kamin am linken Rand der Rampe überklettern. Im Nachhinein keine so gute Idee, da recht widerspenstig (mit Baum, Gras und Knieeinsatz) zu klettern und in der anschließenden Querung extrem brüchig. Hier wäre weiter rechts wohl die bessere Wahl gewesen. Danach aber schön und einfach über Platten, Gras und ein paar Latschen bis zum Ende der Rampe. Bis hierher etwa 6 SL zu 50m.
Nun zeigt sich dass das Landschaftlich reizvolle dieser Unternehmung dann doch einiges an Nerven kostet, wir erreichen die Kante, über die wir unsern Aufstieg fortsetzen wollen. Zu den über 300m Tiefblick gesellt sich noch die Tatsache, dass die Wand unter uns überhängend abbricht und bis zum darunterliegenden Wald nichts den frei fallenden Blick bremst. Aber gut, wir wollen eh nach oben. Schon beim Wegklettern vom Stand bemerke ich, dass die Sache offenbar langsam ernst wird. Die Schwierigkeit wäre mit etwa 5 ja noch sehr zivilisiert, die Haltepunkte allerdings weniger. Nach einer kurzen Wand folgt eine Gras- und Schotterfläche, auf der ein großer Stein liegt. Dem traue ich nicht so recht und nach längerem herumprobieren lautet der einzige Ausweg zurück zur Natur, Finger in den Dreck krallen und den kleinen Busch etwas weiter oben anvisieren. Es klappt, der Busch ist dann doch überraschend stabil.
Über Schotter und Latschen geht es weiter ums Eck. Unter mir ist eine Latsche, bevor die Wand abbricht, immerhin. Lästig zu Klettern, aber immerhin zuverlässige Sicherungspunkte. Ich traue meinen Augen nicht: an der exponiertesten Stelle unseres Weges hat sich zwischen zwei Latschen ein Ameisenvolk sein Nest gebaut. Das St. Moritz der Insektenwelt quasi. Aber weiter, es ist noch kein Ende in Sicht. Ich tänzle um den Ameisenhaufen und erreiche wenige Meter höher eine stabile und vertrauenerweckende Kiefer. Stand, wer weiß was danach kommt. Außerdem brauch ich psychische Erholung.
Daniel schaut ziemlich skeptisch, ihm macht die Höhe heute etwas zu schaffen und wir vereinbaren dass ich die nächsten beiden Längen vorsteige. Nach ein paar Metern treffe ich noch auf eine weitere Föhre, dann stehe ich erst mal an. Links zu schwierig, gerade hoch brüchig (wenn auch nur ein paar Meter bis zum nächsten Baum), rechts sehe ich nicht. Ich deponiere den Rucksack und schlüpfe doch noch in die Kletterpatschen, um mich ins Abenteuer zu stürzen. Mein Freund, der Baum, hilft mir noch ein paar Meter hoch, dann wird's ernster. Gerade rauf ist mir immer noch nicht sympatischer und offensichtlich nicht absicherbar, also rechts um's Eck. Ein kleiner Baum mit etwa 3cm Durchmesser darf als Sicherungspunkt herhalten und beruhigt zumindest meine Psyche. Und die Entscheidung war gut, hinter der Kante finde ich eine wunderschöne Verschneidung, wirklich schöne Kletterei und durch einige Friends bestens absicherbar. Drüber Stand an einem Klemmblock über einem Feld mit Wacholder (oder was ähnliches).
Ein paar Meter sind noch in wenig vertrauenerweckendem Blockwerk zu klettern, dann legt sich der Grat endlich zurück. Ich bitte Daniel, den Rest zu führen, da ich ziemliche Krämpfe in den Unterarmen habe. Ein Stück weit sichern wir noch, wir wollen nicht im leichten Gelände abstürzen, dann erreichen wir die Wiesen auf dem Liggstein.
Fazit: ein ziemlich abenteuerlicher Weg, aber landschaftlich sensationell. Und unsere Fertigkeit im Finden und Anbringen mobiler Sicherungsmittel hat sich ziemlich verbessert im Lauf der Tour. Und die Helme haben sich auch rentiert, auch wenn der Fels auf weiten Strecken recht gut war. Mit etwas Suchen lässt sich sicher ein schöner Weg finden in dem Bereich.
zu den übrigen Bildern
Material:
Doppelseil
1 kompletter Friendsatz
1 Satz Rocks und einige kleine Hexentrics
einige Bandschlingen für Sanduhren und Bäume
einige Haken (einen haben wir geschlagen und belassen) und HammerLabels: Alpin, Bregenzerwald, Klettern, Liggstein, Mittagsfluh